Donnerstag, den 07. Oktober um 18:00 Uhr I Literarische Begegnung

Jean-Paul Michel: Für uns, das Gesetz (über Hölderlin)
Im Rahmen der Ausstellung: "Hölderlins Orte / Hölderlins Orte

 

Warum wirken fast alle Gedichte nach dieser Lektüre so schwer? Zusammenfassung? Begrenzt? Es steht so wenig auf dem Spiel? Wie kommt es, dass außer den ersten Griechen nur sehr wenige Werke vor ihr stehen: Leopardi, Hopkins, Nietzsche, um nur auf unsere unbestimmte Gegenwart in der nahen Vergangenheit hinzuweisen? Warum dieses einzigartige Gefühl, in der Gegenwart von Gedanken als Gesang, von Gesang als Gedanken zu sein? Bei Hölderlin, von einem Ende zum anderen, ist der höchste Wert die Freude.
Dies ist sicherlich der erste wirklich affirmative moderne Gedanke. Wenn wir seine Lesung verlassen, nimmt diese Ausdehnung der Welt zu. Wenn sie aufhört, befinden wir uns in einem schrumpfenden Universum.

Geboren 1948 in La Roche-Canillac, Corrèze, zog Jean-Paul Michel 1975 nach Bordeaux. Dort gründete er den Verlag William Blake & Co., der seit 1976 führende Autoren aufnimmt, sei es zeitgenössische (Yves Bonnefoy, Pierre Bergounioux, Kenneth White, etc.) oder Klassiker aus allen Jahrhunderten, die in schönen Formaten neu aufgelegt werden (La Boétie, Mallarmé oder Hölderlin, Bashô, etc.) Diese Bücher sind oft der Anlass für einen Dialog zwischen Text und Malerei oder Zeichnung und haben im Laufe der Jahre Beiträge von Farhad Ostovani, Alexandre Hollan, Franck Lalou und vielen anderen begrüßt. Aber Jean-Paul Michel ist auch und vor allem der Autor eines einzigartigen poetischen Werkes, in dem man zwei Perioden unterscheiden kann: die erste, von 1976 bis 1982, die kühn die Macht des geschriebenen Wortes in experimentellen, "gebrochenen", "mit der Schere" geschriebenen Büchern in Frage stellt (darunter Du dépeçage comme de l'un des Beaux-Arts, 1976, oder Le Fils apprête, à la mort, son chant, 1981); die zweite, ab 1982, die ein neues Vertrauen in das Gedicht und die Künste markiert und insbesondere durch eine Rückkehr zur Praxis des Verses gekennzeichnet ist (zum Beispiel Meditatio Italica, 1991). Sein Werk, das bei Flammarion erschienen ist, wurde im Februar 2019 in einem Band der "Poésie/Gallimard"-Sammlung unter dem Titel "Défends-toi, Beauté violente!" weitgehend gesammelt. Sein Werk war 2016 Gegenstand des Jahreskolloquiums des Centre Culturel International de Cerisy.

Eintritt frei
Informationen und Reservierungen bis zum 5. Oktober: Centre Franco-Allemand de Provence unter 04 42 21 29 12 oder unter info@cfaprovence.com

Organisiert vom Centre Franco-Allemand de Provence und der Fondation Saint-John Perse in Zusammenarbeit mit dem Institut de l'Image